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Die Fabriken in Odda

Kraft und Industrie in Tyssedal/Odda. In einer Präsentation aus dem Jahre 1909 von der Karbidfabrik in Odda, Wurde der Zugang zu reichlichem und leicht zugänglichem Wasserkraft hervorgehoben als Hauptvoraussetzung dafür dass hier eine so Kraftraubende Industrie aufgebaut wurde. 

Oddafabrikkene: Cyanamidefabrikken og karbidfabrikken 1906-08 Die "Oddafabriken"; Die Cyanamidfabrik links, die Karbidfabrik rechts im Bild aus dem Jahre 1907. Foto: NVIM Archiv

 

Die Etablierung der Schwerindustrie musste Nahe der Stromquellen liegen, da es in den Anfängen nicht möglich war die Elektrizität über grössere Abstände zu überführen.

 

Die Kraftgesellschaft "AS Tyssefaldene" hatte eine Abmachung mit der britischen Gesellschaft "The Sun Gas Company" getroffen, mindestens 18 000 Pferdestärken an die Fabriken in Odda zu liefern für die Produktion von Kalziumkarbid und Kalziumcyanamid. Der Aufkauf der Wasserrechte im Tyssovassdraget Wasserlauf hatte schon ende des 19. Jahrhunderts gestartet. Grundstücke und Rechte wurden von "AS Tyssefaldene" 1906 gekauft.

 

Hinter diesem Kraft- und Industrieaufbau befand sich schwedisches Kapital vertreten durch Knut Tillberg, Marcus und Knut Wallenberg, sowie Leutnant Allan Abenius, Ingenieur dr. Albert Petersson, Direktor F. Hjort, Direktor A. Scott Hansen und vor allem der norwegische Industriegründer Sam Eyde.

 

The Sun Gas Company hatte da schon eine Karbidfabrik in Alby, Schweden errichtet. Die Expansion der Produktion verlangte grössere Kraftmengen sowie die Möglichkeit eines Transportes zur See. Dr. Albert Petersson war Direktor bei den Fabriken in Alby, und spielte eine zentrale Rolle in dem Aufbau der Karbidproduktion in Odda. Er wurde Direktor bei den Odda-Fabriken. Noch vor der Vertragsunterschreibung mit AS Tyssefaldene hatte The Sun Gas Company einen Vertrag mit den britischen Eisenbahnen gesichert für die Entnahme von Kalziumkarbid sowie die Rechte zur Produktion von Kalziumcyanamid nach der Methode der deutschen Chemiker Dr. Caro und Dr. Frank für die deutschen und britischen Märkte.

 

Die Kraft- und Industrieproduktion startete  1908, nach einer kurzen und hektischen Bauphase.

 

    Albert Petersson     Fredrik Hiorth

Sam Eyde                                    Albert Petersson                          Fredrik Hiorth

 

 

 

Die Industrialisierung von Tyssedal/Odda setzte sich mit neuen Fabriken und Expansionen der Kraftkapazitäten fort. 1916 wurde Die Norwegische Nitridgesellschaft für die Produktion von Aluminium in Tyssedal gegründet. 

 

1929 etablierte man Die Norwegische Zinkkompanie für Produktion von Zink, Aluminiumfluorid, Schwefelsäure und Anhydrit  auf der halbinsel Eitrheimsneset. Diese liegt auf der anderen Seite vom Fjord, direkt gegenüber von Tyssedal.

 

 

Det Norske Zinkkompani auf Eitrheimsneset in Odda 1929Foto: Nathalie Lubowidsky

 

Trollmehl und der Oddaprozess

Eine wichtige internationale Frage zum Ende des 19. Jahrhunderts und zum Anfang des 20. Jahrhunderts war wie man der Erde Nahrung zufügen könnte, um genügend Nahrungsmittel für die Weltbevölkerung zu produzieren. Die natürlichen Vorkommnisse von Salpeter in Chile waren jetzt dabei erschöpft zu werden. Die deutschen Chemiker Dr. Caro und Dr. Frank entwickelten am Ende des 19. Jahrhunderts eine Methode zur Produktion von Calciumcyanamid - auch Kalkstickstoff genannt.

 

Cyanamid war ein langsam wirkendes Düngemittel, besonders geeignet für Pflanzen die eine lange Wachstumszeit haben. Karbid war ein wichtiger Einsatzfaktor bei dieser Produktion. Die Karbidfabrik in Odda wurde ursprünglich für eine Produktionskapazität von 32 000 Tonnen gebaut. Davon sollten 10 000 Tonnen für die Prodution von Cyanamid verwendet werden.

Die Karbidfabrik in Odda war einer der grössten der Welt, zusätzlich war die Cyanamidfabrik in Odda einer der grössten Cyanamidfabriken der Welt in 1909, mit einer Produktionskapazität von 12 000 Tonnen. Das fertige Produkt wurde auf Grund des Effektes Trollmehl genannt.  

 

      

 

1954 produzierte Odda Smelteverk rund 14 000 Tonnen Cyanamid. Diese wurden teils als Dünger auf dem heimischen Markt verkauft, teils als Einsatzfaktor in der Produktion von Dicyanamid. Dicyandiamid wurde in der Produktion von Melamin benutzt. Melamin ist ein Plastikprodukt.  Bis zum Ende der 1920er war eines der Bestandteile von Kunstdünger entweder Kalziumzyanamid, Phosphorsäure oder Kali. 1927 kam der erste homogene Volldünger auf dem Markt. Das war Nitrophoska, eine Produktion von I.G. Farben– Industrie in Deutschland. 

 

Bei der Produktion von Nitrophoska entstanden grosse Mengen des Abfallproduktes Kalziumsulfat. Der Oddaprozess war eine revolutionäre Methode um Volldünger zu produzieren. Hierbei enstanden gar keine Abfallprodukte. Erling B. Johnsson, Ingenieur der Chemie bei Odda Smelteverk, entwickelte diesen Oddaprozess in den 1920ern und meldete darauf Patent an. 1934 hat man eine Abmachung mit der Firma Bamag Meguin sowie in 1938 mit I. G. Farben über die Nutzung des Prozesses getroffen.

 

In Norwegen waren sowohl Norsk Hydro als auch die Norwegische Technische Hochschule skeptisch zu der Methode. Norsk Hydro entwickelte einen eigenen Hydroprozess, gab aber dann letzendlich zu dass der Oddaprozess zu bevorzugen war. 1951 startete Norsk Hydro einen langwierigen Versuch die Fabrik nach dem Oddaprozess zu betreiben. Sowohl BASF und Hoechst in Deutschland, als auch Staatsmijnen in Holland hatten dann schon Fabriken mit der Oddalizenz gebaut.

 

Die Fabrik in Odda nutzte diese revolutionäre Methode nicht. Die Erklärung hierfür  ist höchstwahrscheinlich dass Hafslund sich in dieser Zeit in einem Umorganisierungsprozess befand, wobei sie einen grösseren Fokus auf Kraftproduktion als auf Industrielle Produktion hatten. Odda Smelteverk wurde 1937 an die Gesellschaft The British Oxygen Company verkauft.

 

2006, fast 80 Jahre nachdem Erling B. Johnsson diesen revolutionären Prozess für Volldünger entwickelte, wurde diese Methode noch immer von vielen Fabriken der Welt genutzt.

 

 

Erling B. Johnson

Erling B. Johnson. Foto: NVIM archiv

 

 

Auszüge aus dem Artikel: 'Vasskraft og industri i Hordaland i første halvdel av 1900-tallet'  von Elisabeth Bjørsvik.

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